Erste Woche Lesechallenge Fr. Neumann

Daniela Krien, Mein drittes Leben

„Mein Name ist Linda. Linda bedeutet die Milde, die Freundliche, die Sanfte. Dieser Name hat nichts mehr mit mir zu tun.“

Gleich das erste Buch der Challange fordert mich heraus. Wir Lesenden teilen mit Linda ihre Trauer, den Verlust der Tochter, ihre Abgrenzung zur Umwelt. Sie kann nicht einfach weitermachen, wie bisher. Sie sucht Abstand von Allem, was sie an ihre Tochter erinnert. Ein Bauernhof mit Tieren und Garten wird für Linda zum Anker. Die tägliche Arbeit ist meistens zu bewältigen. Meine Trauer ist anders. Kann und will ich diese andere Sicht aushalten, mich darauf einlassen? Daniela Krien erzählt so, dass ich dranbleibe an diesem Buch. Ich hoffe für Linda, dass sie einen Weg zu den lebenden Menschen findet.

„Wir wissen, dass alles, was kommt, auch wieder geht, warum tut es dann immer wieder und immer mehr weh? Gerhard Gundermann“

Ellen Sandberg, Rauhnächte

Ich habe fast alle Bücher von Ellen Sandberg gelesen und hatte dieses Buch bei Erscheinen (2025) auch schon in der Hand. Wir begegnen in diesem Buch der jungen Frau Pia. Sie erfährt mit 22 Jahren, das sie adoptiert wurde. Gibt es dafür einen richtigen Zeitpunkt? Nach dem ersten Schock begibt sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln und frühen Erinnerungen. Pia hat die Autorin schon einige Zeit begleitet. Zuerst war ihre Geschichte in einem Kinderbuch zu lesen. Nun gibt es die gewachsene/erwachsenere Version. Die regionale Legende vom „Fuxerl“ wird in die Geschichte mit eingesponnen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen bringt dieses Buch gedankliche Abkühlung und ist wie gewohnt, sehr spannend.

Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Nürnberg Band VI 1945-1954 (ISBN 3925002189)

Der Band ist 1995 erschienen und nur noch antiquarisch zu bekommen. Mir, als Zugezogene, sagen viele Namen nichts. Es stachelt aber meine Neugierde an. Die Zeittafel, zum Beispiel, geht über Nürnberg hinaus und beinhaltet auch bundesdeutsche Termine. So erfahre ich viel von dem, was in der Schule deutlich zu kurz kam, egal ob das Fach Geschichte, Politik, Staatsbürgerkunde oder Gesellschaftskunde heißt. Hier meine Highlights: Seite 89 ein Text vom 5.9.1946 „Darstellung der Ziele der Frauen in der Gewerkschaft durch Käti Sand in der „Gewerkschaftszeitung“. Seite 104 aus dem Protokoll des Ersten ordentlichen Kongreß der Landesgewerkschaften Bayerns am 29.3.1947 Abschnitt C „Entschließung zur Flüchtlingsfrage“ Seite 308 am 3.11.1945 überreicht der Chef der Militärregierung den Vertretern von SPD, KPD, CSU und DDP Genehmigungsurkunden. Die ersten drei Parteien kenne ich, aber DDP? Google sagt dazu: Deutsche Demokratische Partei, linksliberal, setzt sich ein für die parlamentarische Demokratie, für einen förderalen Einheitsstaat. DDP-delivered duty paid (verzollt, frei Haus und versteuert). Dass Beste zum Schluß: DDP-Der-Dicke-Polizist, eine deutschsprachige Punkrockband (1993 gegründet), spielte am 12.6.2026 im Z-Bau in Nürnberg

Die Freimund Buchhandlung wurde 1945/46 für ein Jahr von der Militärregierung geschlossen.

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