Ewald Arenz, fünf sechs sieben acht
Fünf sechs sieben acht-so wird beim Stepptanz eingezählt. Anton, 60 Jahre alt, ist Tänzer. Er hört die Rhythmen der Natur und improvisiert gern dazu. Er hat zu seiner Exfrau ein gutes Verhältnis und eine erwachsene Tochter, die ebenfalls tanzt. Es könnte alles gut sein, wäre da nicht Jo (Johanna), seine erste große Liebe. Hätte er das Leben mit ihr gelebt, wo wäre er jetzt? Ist Katja nur die zweite Wahl, wie sie immer behauptet? So gut er tanzt, so schwer fällt es ihm seine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen.
„Frühnebel über der See. Als schliefe das Wasser noch unter einem ganz dünnen Laken. Das Blau des Himmels aber schimmert schon durch den Dunst.“ So schön beginnt der erste Morgen in Irland für Anton. Es ist die Stille vor dem Sturm. „Du bist so sehr auf dieser sinnlosen Suche nach der eigenen verlorenen Jugend, dass du mir meine nicht verzeihen kannst. Das ist alles.“ , wirft seine Tochter Emma ihm an den Kopf. Das trifft ihn sehr und es arbeitet in ihm: „Es tut mir leid. Ich bin ein dummer alter Mann.-Ja, sagt sie kurz, aber du bist auch mein Vater.“
Mir hat dieses Buch von Ewald Arenz wieder sehr gefallen und es hat einen treffenden letzten Satz: „Wer tanzen kann, kann auch stehen.“
Martina Hefter, Hey guten Morgen, wie geht es dir?
Die Sonde Juno umkreist Jupiter. Die Performancekünstlerin Juno kreist um ihren schwerkranken Mann Jupiter. In ihren durchwachten Nächten chattet sie mit fremden Menschen. Sie setzt sich verschiedene Masken auf, spielt unterschiedliche Leben. Selbst als Leserin weiß ich nicht sicher, was ist Realität und was nicht. Zuerst war ich etwas ratlos, was soll ich mit diesem Buch? Doch es wirkt nach und im Gespräch mit anderen über dieses Buch erschließen sich mir neue Räume und Perspektiven. Eine gute Entdeckung.
Karin Kalisa, Bergsalz
Dieses Buch steht gar nicht auf der Challenge-Liste. Ich habe es zum Geburtstag geschenkt bekommen und es war mit auf Reisen, denn es ist gute Zuglektüre: Taschenbuch, schmal, überschaubare Kapitel.
Ein kleines Dorf im Allgäu, der Föhnwind bläst, das Gasthaus geschlossen, keine Apotheke, kein Tante-Emma-Laden… Dem ersten Menschen, dem ich als Lesende begegne, ist Franzi, eine ältere Frau, alleinlebend. Karin Kalisa hat viele besondere Worte, Wortneuschöpfungen für dieses Alleinsein. Doch an diesem besonderen Tag steht mittags unerwartet Johanna vor der Tür, dann kommt auch noch Elsbeth dazu. Und daraus wird ein gemeinsames Mittagessen abwechselnd bei den Frauen, es kommen noch mehr dazu, die Küche wird zu klein. Was können wir tun? Das Gasthaus? Da wohnen doch jetzt die Geflüchteten.
Und weil die alten Frauen das Alleinsein satthaben, wecken sie die Küche im alten Gasthaus auf, es entsteht eine neue Gemeinschaft mit den Geflüchteten und ein Tante-Emma-Laden soll auch wieder kommen. Dann können die Männer aus dem Seniorenheim wieder nach Hause kommen…. So erwacht das Dorf zu neuem Leben. Eine hoffnungsvolle Geschichte die mir sehr gefallen hat.

geboren im Zeichen des Bücherwurms,
ist seit 1994 Buchhändlerin und liebt Gummibärchen.

