Julia Albrecht, Corinna Ponto: Patentöchter

Im Schatten der RAF-ein Dialog

„In der Zeit, als der Film „Bader Meinhof Komplex“ in den Kinos lief, fragte mich ein Schüler, warum man eigentlich so wenig über die RAF-Zeit wisse. Man könne sich so schwer eine Meinung dazu bilden. Er wolle mehr wissen, aber irgendwie sei das Thema nicht greifbar, und die Lehrer würden es auch nicht anfassen wollen.“-„Ich habe zwei Kinder, die zur Schule gehen. Und ich möchte nicht, dass sie sich mit der Ermordung ihres Großvaters auf der Basis eines solchen Filmes auseinandersetzen müssen. Von dem Attentat auf meinen Vater gab es vor Eichingers Film keine Bilder. Das war für unsere Familie immer ein gewisser Trost und auch ein Schutz.“ (Corinna Ponto)

Für mich war bis zu diesem Buch RAF ein Begriff aus der Vergangenheit deutscher Geschichte, die nicht im Unterricht vermittelt wurde. „Patentöchter“ steht schon ein paar Jahre in meinem Bücherregal als Leseempfehlung einer Freundin. Ein Jubiläum brachte die RAF im Mai als Doku ins Fernsehen. Die Tätergeschichte wird erzählt, über die Opfer wird viel geschwiegen.

30 Jahre nach dem Mord an Jürgen Ponto nimmt Julia Albrecht Kontakt zu Corinna Ponto auf. Ein Briefwechsel entspinnt sich. Die Frauen treffen sich ein paarmal. Sie entscheiden sich, zusammen ein Buch zu schreiben. Ein Buch über das Weiterleben, weiter leben müssen, seelische Narben. Es hat mich tief bewegt und mein Wissen um die RAF deutlich erweitert.

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