Nino Haratischwili erzählt in „Das achte Leben“ plastisch und lebendig und dabei sehr souverän vom persönlichen Leid, Intrigen, Hoffnungen und Liebe aus sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen im Georgien des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte beginnt im Jahre 1900 mit der Geburt Stasias, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten aus Tiflis, die im Vorfeld der Oktoberrevolution jung den Weißgardisten Simon Jaschi heiratet und ihm nach Petrograd folgt. Als Stalin an die Macht kommt, kehrt sie mit ihren Kindern Kitty und Kostja zurück nach Georgien und sucht Schutz bei ihrer Schwester Christine.
Auf ihrem Lebensweg werden sie konfrontiert mit der Geschichte Georgiens und den Realien der Sowjetunion von der Revolution über den Stalinismus bis zum Ende des Kalten Krieges, an denen sie meist auf die ein oder andere Weise scheitern. Das familiäre Erbe, die fatalen Wiederholungen, werden durch den „Fluch der Schokolade“ verkörpert: nach dem Rezept des Ururgroßvaters wird eine verhängnisvolle heiße Schokolade zubereitet, die zwar eine „geistige Ekstase“ verheißt, aber jeden, der bisher von ihr zu probieren wagte, schnell ins Verderben gestürzt hat.
Ein unvergessliches, überwältigendes Leseerlebnis!

Gehört zur Familie der Bücherratten, ist Buchhändlerin seit 1983 und braucht Schokolade.