Das Gewicht eines Pianos

Für Clara ist es das Einzige, was ihr von ihren verstorbenen Eltern geblieben ist; für Katya ist es das Wertvollste, Sinngebendste, was es seit ihrer Kindheit für sie gibt: Ein schwarz glänzendes Blüthner-Klavier; ein Klavier von der Sorte, die berühmt ist für ihren wunderbar warmen Klang. Es ist ein einzigartiges Instrument, das zu Beginn, vor langer Zeit, einem blinden Deutschen gehört hat, der mit seinem ungestümen Spiel des Nachts sämtliche Bewohner der umliegenden Häuser wach zu halten pflegte. Als die Musik des Mannes verstummt, wartet Katya vergeblich auf das Wiedereinsetzen des Klangdonners nebenan – und beginnt schließlich, dem Instrument selbst Musik zu entlocken. Denn der Deutsche vermacht dem jungen Nachbarsmädchen sein Piano und Katya übt sich im Klavierspiel, bis sie zu einer hervorragenden Pianistin herangewachsen ist. Während das Blüthner Katyas erste große Liebe sein soll, verbindet die junge, als Klavierspielerin vollkommen untalentierte Automechanikern Clara unterschiedliche Gefühle mit dem Instrument; ist es doch Ballast und wertvollste Erinnerung an die Eltern zugleich. Erst, als sie das Piano zu verlieren droht, erfährt sie, wie bedeutungsvoll dieses für sie bisher scheinbar so unnütze Klavier ist – und von welch tragischer, von Liebe und Schmerz geprägter Vergangenheit das glänzend schwarze Blüthner ihr zu erzählen weiß…

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